Wilhelm Koch-Hooge

Filme (als Schauspieler)
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Geboren

11.02.1916 in Potschkau

Gestorben

02.09.2004 in Berlin

Leben

Der blonde Mime mit dem "feingeschnittenen Gesicht und einer tiefen Falte über der Nasenwurzel" (Hans-Jörg Rother, 1995) stammt aus Oberschlesien und wächst als Sohn eines Bezirksschornsteinfegers in einem kinderreichen Haushalt auf. Früh hegt er den Wunsch, Schauspieler zu werden. Doch sein Vater hat andere Pläne: Er will, dass der Sohn seinem eigenen Beispiel folgt und Schornsteinfeger wird. So arbeitet Wilhelm nach dem Abitur zunächst kurze Zeit in diesem Beruf, ehe er seinem Zuhause den Rücken kehrt, in Hamburg landet und von dort aus als Schiffsjunge zur See fährt. Die Sehnsucht nach künstlerischer Beschäftigung ist währenddessen geblieben. Immer noch zieht es ihn zur Bühne, sein Entschluss für diese Laufbahn steht nun fest. 1936 bis 1938 besucht Wilhelm die Schauspielschule des Deutschen Theaters Berlin, wo er bei solch namhaften Lehrern wie Paul Dahlke oder Elisabeth Flickenschildt studiert. Anschließend spielt er in Kaiserslautern, Heidelberg und Magdeburg. Weil sein Name für einen angehenden Schauspieler zu "gewöhnlich" klingt, ändert er ihn auf Anraten eines Theateragenten, nennt sich daher seit Beginn seiner Karriere "Koch-Hooge" (der Zusatz rührt von der Bezeichnung einer Nordseeinsel her). Im Jahre 1942 kommt er zum Kriegsdienst in Russland. Nach Verwundung, erneutem Kriegseinsatz in Afrika und dreijähriger amerikanischer Gefangenschaft - während der er als Autor und Darsteller des Lagertheaters wirkt - geht Wilhelm Koch-Hooge wieder nach Magdeburg. Auf zuerst notdürftigen Bühnen zwar, trägt er hier in Aufführungen von klassischen Werken sowie Operetten mit seinen Kollegen zum kulturellen Neuanfang bei. Ab 1951 wird er für zwei Jahre Mitglied des Berliner Ensembles. Dann nimmt ihn Wolfgang Langhoff unter Vertrag. Es folgt eine langjährige Tätigkeit am Deutschen Theater, parallel zu seinen Aktivitäten für Film, Fernsehen und Synchron. Zu den bedeutenden Bühnenrollen gehört der Benedikt in "Viel Lärm um Nichts", auch sieht man ihn als Advokaten Helmer in Ibsens "Nora". Seit Anfang der 50er Jahre ist Koch-Hooge bei der DEFA angestellt und zählt bald zu den beliebtesten Schauspielern der Leinwand. Begründet ist seine große Popularität beim Publikum durch seine unaufdringliche und unvergessene Darstellung des aufrechten Kommunisten Hans Löning in Slatan Dudows Film "Stärker als die Nacht" (1954) an der Seite von Helga Göring. Für diese herausragende Leistung erhält er 1955 den Nationalpreis der DDR sowie den Preis als "Bester Schauspieler des Jahres" in Locarno. Nach diesem Erfolg wird Koch-Hooge wiederholt in Rollen vorbildlicher Antifaschisten, Kämpfer für den Frieden, eingesetzt. Die überzeugende Gestaltung gelingt ihm dabei vor allem durch die Betonung der Schlichtheit und Menschlichkeit seiner Charaktere. So bleiben dem Zuschauer beispielsweise sein Max Kerster ("Genesung", 1956), sein Walter Meister ("Sie nannten ihn Amigo", 1959) oder sein Erich Braun ("Fünf Tage - Fünf Nächte", DDR/UdSSR, 1961) in Erinnerung. Als die Angebote der DEFA nachlassen, konzentriert sich Koch-Hooge auf seine Arbeit im Ausland, wendet sich verstärkt dem tschechoslowakischen Film zu und steht seit Anfang der 60er Jahre für fast zwei Jahrzehnte in zahlreichen Produktionen des Prager Filmstudios Barrandov vor der Kamera (z.B. "Pevnost na Rýne" [Festung am Rhein], 1962). Auch wirkt er in jugoslawischen Filmen, u.a. "Walter brani Sarajevo" (Einer ist Sarajevo, 1972) mit. Daneben übernimmt er gelegentlich Aufgaben bei DEFA und DDR-Fernsehen, ist bis Ende der 80er Jahre zumeist in kleineren Rollen zu sehen, bevor er sich nach 1990 weitgehend aus dem Schauspielerberuf zurückzieht.
Quellen: Team Zutz Unsere Filmsterne; Filmschauspieler A-Z; Vor der Kamera; Das große Lexikon der DDR-Stars; DEFA-Stars - Legenden aus Babelsberg