Jürgen Reuter

Filme (als Schauspieler)
1967
Ein Lord am Alexanderplatz
1969
Sankt Urban
1971/72
1973-75
1977
Das unsichtbare Visier
1981-83
1981/82
1987
Die gläserne Fackel
1990
1995
Nikolaikirche

Geboren

29.01.1941 in Berlin

Leben

Früh entwickelt Jürgen Reuter eine Begeisterung für das Theater, die jedoch durch die Erlernung eines nach Ansicht der Eltern notwendigen "soliden" Berufs gebremst wird. Als Kraftfahrzeug-Elektriker ist er zunächst im Berliner VEB Reparaturwerk Friedrichsfelde Ost tätig. Später ist er Bühnenarbeiter an der Volksbühne, bevor er schließlich die Schauspielschule Berlin besucht. Dort bekommt er das künstlerische Rüstzeug von namhaften Pädagogen wie Rudolf Penka, Friedo Solter, Doris Thalmer oder Hans-Georg Voigt vermittelt. Seine prägende pantomimische Ausbildung erhält Reuter von Eberhard Kube. Internationalen Erfolg kann er 1967 zusammen mit einer Reihe Kommilitonen auf einem Symposium des Internationalen Theaterinstituts in Stockholm verzeichnen, wo sie Auszüge aus Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" und Tschechows "Heiratsantrag" darbieten. Im selben Jahr schließt Reuter sein Studium ab. Während seines Engagements am Landestheater Halle sammelt der begabte Absolvent dann viele praktische Erfahrungen und stellt sein Können sowohl in klassischen Werken wie Schillers "Räubern" oder Shakespeares "Sommernachtstraum" als auch in zeitgenössischen Stücken wie beispielsweise Plenzdorfs "Die neuen Leiden des jungen W." oder Neutschs "Haut oder Hemd" unter Beweis. Dabei sind dem jungen, anspruchsvollen Künstler der gesellschaftspolitische Aspekt der Geschichten und ihrer Figuren sowie die Wirkung des gesamten Ensembles wichtig. Ingrid Seyfarth schreibt 1974 über Reuter: "Er gehört zu jenen Unbequemen, die immer wieder eigene, sich einmal als richtig erwiesene Arbeitsmethoden in Frage stellen - und auch die der anderen. [...] Er interessiert sich und fühlt sich mitverantwortlich für die Entwicklung des Theaters und besonders des Schauspielensembles, in dem er lebt und arbeitet." Bereits 1967 ist Jürgen Reuter auch auf der Leinwand anzutreffen. In der DEFA-Produktion "Ein Lord am Alexanderplatz" gibt er sein Filmdebüt in einer Nebenrolle als eifersüchtiger Freund von Angelica Domröse. In der Verfilmung von Hedda Zinners Schauspiel "Lützower" verkörpert er den Hauptmann Friesen und für den Kinderfilm "Ein Schneemann für Afrika" steht er 1977 als Chiefmate Sebastian vor der Kamera. Große Aufgaben werden dem Schauspieler aber vor allem beim Fernsehen der DDR übertragen, zu dessen Ensemblemitgliedern er seit 1974 zählt. Eine bemerkenswerte Leistung stellt hier sein Karl Marx im Mehrteiler "Marx und Engels - Stationen ihres Lebens" an der Seite von Jan Spitzers Friedrich Engels dar. Oft besetzt man ihn in historischen Stoffen, in denen er bedeutende Persönlichkeiten vergangener Jahrzehnte spielt, so z.B. Georg Weerth, August Bebel und nicht zuletzt den Wissenschaftler Professor Ernst Abbe, der dem Namen Carl Zeiss mit seinen Erfindungen entscheidend zu Ruhm verhalf. Mehrfach tritt Reuter auch in Episoden der Krimi-Reihe "Polizeiruf 110" auf, sein wohl bekanntester Charakter ist hier der schmierige Ganove "Nolle" aus der Folge "Der Schweigsame", der mit herausforderndem Auftreten und mit frechem Berliner Mundwerk den Vorbestraften Udo Walter (Wilfried Pucher) erpresst und zu neuen verbrecherischen Handlungen zwingt. In guter Erinnerung bleibt außerdem sein Vater Zitterbacke neben Ute Lubosch als Mutter in der TV-Serie "Alfons Zitterbacke" (1986) nach Gerhard Holtz-Baumerts beliebten Kinderbüchern. Nach der Wende ist Reuter weiterhin in verschiedenen Fernsehproduktionen zu erleben, darunter permanente Rollen in "Agentur Herz" und "Der Landarzt", wo ihm seine überzeugende Darstellung des Pastors Engel gesamtdeutsche Popularität einbringt.
Quelle: Team Zutz - Renate Seydel, Schauspieler; Internetseite der Schauspielschule Berlin

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