Wolf Kaiser

Filme (als Schauspieler)
1952
Das verurteilte Dorf
1953
Die Geschichte vom kleinen Muck
1955/56
1956
Die Millionen der Yvette
1956
Das tapfere Schneiderlein
1961
Mutter Courage und ihre Kinder
1961
Das Kleid
1964/65
1967
Kleiner Mann - was nun?
1970
1981
Casanova auf Schloß Dux
.

Geboren

26.10.1916 in Frankfurt/M.

Gestorben

21.10.1992 in Berlin

Leben

"Hünenhaft und breitschultrig ist die Gestalt, unverkennbar das markante, scharf ausgeprägte Profil des Gesichts. Über lebhaften, oft lustig blitzenden braunen Augen liegen buschige, schwarze Augenbrauen. Der Schauspieler Wolf Kaiser fällt dem Zuschauer unweigerlich schon beim ersten, flüchtigen Blick auf..." Diese Beschreibung des Charaktermimen ist 1962 im Buch "Unsere Filmsterne" zu lesen. Doch gelangt der talentierte Künstler mit der kräftigen Stimme nicht auf direktem Weg zum Schauspielerberuf. In der Schweiz aufgewachsen, beginnt Kaiser zuerst ein Studium der Chemie und Physiologie. Nach Zwangsunterbrechung durch Arbeitsdienst, Wehrmacht und längerem Lazarettaufenthalt, wird er schließlich als dienstunfähig entlassen. Nun nimmt er Schauspielunterricht in Berlin, was er mit seiner Nebenbeschäftigung als Kellner finanziert. Am Stadttheater Iglau gibt er 1941 sein Bühnendebüt, dann folgt 1942-45 ein Engagement an der Berliner Volksbühne unter Eugen Klöpfer. Bei Kriegsende verschlägt es Kaiser nach Westdeutschland, wo er in seinem Geburtsort Frankfurt/Main sowie in München spielt. 1947 wechselt er dann nach Leipzig ans Schauspielhaus, und ab 1950 arbeitet er wieder in der Hauptstadt. Dort ist er zunächst kurze Zeit am Deutschen Theater zu erleben, bevor ihn Bertolt Brecht 1951 an seine Bühne verpflichtet. Dem Berliner Ensemble bleibt Kaiser bis 1967 treu, verleiht hier zahlreichen Charakterrollen wie dem Mackie Messer ("Dreigroschenoper") oder dem Feldprediger ("Mutter Courage und ihre Kinder") beachtlichen Ausdruck und zählt aufgrund seiner künstlerischen Leistungen bald zu den bedeutenden Schauspielern der deutschen Theaterlandschaft. Auch gelingt es ihm mit Auslandsgastspielen des Ensembles, gleichfalls Anerkennung bei internationalem Publikum und Kritikern zu erringen. Kaiser, Kunstpreisträger 1961, erhält für sein Bühnenschaffen 1965 den Nationalpreis. Seit 1967 steht er zwei Jahre auf der Volksbühne Berlin, danach konzentriert er sich vorrangig auf die Tätigkeit vor der Kamera, gehört 1969-1990 als festes Mitglied zum Fernsehensemble der DDR. Seine ersten Aufgaben beim Film fallen bereits in die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Mit Anfang der 50er Jahre übernimmt Wolf Kaiser erste Rollen bei der DEFA. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang sein amerikanischer Oberst im "verurteilten Dorf" (1952), sein Major Zinker im biographischen "Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse" (1954) oder sein Schwabenhannes im historischen "Thomas Müntzer"-Epos (1956). Die erste Hauptrolle verkörpert er ebenfalls 1956 als Heiratsschwindler Maurice Daurignac in den "Millionen der Yvette". "...negative Charaktere, eiskalte Verführer, Gentlemanverbrecher, glänzende Schufte und schmierige Intriganten..." sind meistens Kaisers Metier, "...und oft führt ihn dabei eine Neigung zum Grotesken in eine schillernde Komik, die nicht gemütvoll ist, sondern durch kritischen, aggressiven Humor entlarvt." (Neues Leben, 1962). Zu beeindrucken weiß der Schauspieler und Hobby-Astrologe auch in der Literaturverfilmung von "Kabale und Liebe" (1959). Zu seinen Glanzrollen in Fernsehproduktionen zählt z.B. der etwas undurchschaubare Geschäftemacher Jachmann in der Fallada-Adaption "Kleiner Mann - was nun?", den er an der Seite von Inge Keller wunderbar überzeugend porträtiert. Für die Darstellung des Meister Falk in Benito Wogatzkis Fernsehspielen "Die Geduld der Kühnen" (TV, 1967), "Zeit ist Glück" (1968) und "Die Zeichen der Ersten" (1969) wird Kaiser mit zwei Nationalpreisen ausgezeichnet. Ab Mitte der 70er Jahre gastiert er wiederholt in der Schweiz, sowohl bei Fernsehen wie auch Bühne. Später zieht er sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Eine letzte große Rolle hat er 1981 als Casanova in "Casanova auf Schloß Dux" (TV). Krankheitsbedingt nimmt Kaiser, der neben Bühne, Film und Fernsehen außerdem viel bei Synchron und Hörspiel wirkt, nach der Wende nur noch wenige Aufgaben wahr. Kurz vor seinem Geburtstag im Jahre 1992 beendet er sein Leben durch den Freitod.
Quellen: Team Zutz - Filmspiegel von 1956; Unsere Filmsterne; Das große Lexikon der DDR-Stars

Bilder